19. März 2011

Kenia - Tag 4 - im Kinderheim

























Nach einem feinen Mittagessen in Bernards Shop hatte jeder eigene Aufgaben zu erledigen. Margit musste für ihren Job etwas erledigen, Lisa und Claudia hatten ein Meeting mit Bernard, Killian und Japheth.

Stefan und ich gingen voller Enthusiasmus ins Kinderheim um mal mit dem beschädigten Zaun anzufangen. Naja, was soll ich sagen: irgendwie ein Fass ohne Boden, dieser Zaun! Durch die Termiten sind die Pfähle durchgefressen und an vielen Orten liegt der Zaun am Boden. Dann kann der Zaun auch nicht so gespannt werden, dass dieser am Boden keine Lücken aufweist, durch die die Ziegen hindurchschlüpfen könnten, um in Nachbars Garten zu fressen. Krampen, die extra angefertigt wurden, um damit den Maschendrahtzaun zwischen den Pfählen am Boden zu fixieren, halten nicht wirklich, weil der Boden viel zu sandig ist. Eine Lösung wäre vielleicht, nochmals dünneren Gitterzaun unten anzusetzen und diesen dann entweder ein wenig einzugraben oder mit Steinen zu beschweren. Oder man organisiert sowas wie Eisenbahnschwellen und legt diese rund um den Zaun und befestigt dann den Zaun mit kleinen Krampen am Holz. Aber der Auslauf für die Ziegen ist doch recht gross und wir schaffen das wohl nicht in dieser guten Woche, die uns noch bleibt. Zudem sind auch unsere Hilfsmittel äusserst bescheiden, eine einzige Zange, ein Hammer und eine verrostete Säge. Wie sehr hätte sich Stefan gestern eine Elektrosäge gewünscht! Ich war die Handlangerin von Stefan, aber in dieser Hitze an der prallen Sonne zu stehen ist für uns Europäer nicht wirklich gut. Hab Gottseidank aber gut eingecremt und einen Hut aufgehabt, so hatte ich abends weder Sonnenbrand noch -stich.

Naomi, die eine der Heimleiterinnen, meinte, am Nachmittag würden Schüler kommen, die im Heim helfen. Ich war gespannt. Und tatsächlich kam im Laufe des Nachmittags ein Schulbus angefahren, der eine ganze Ladung Schüler im Alter so schätzungsweise zwischen 14 und 18 ausspuckte. Alle in ihren Schuluniformen, blaue Hosen oder Röcke und blütenweisse (!!!) Hemden oder Blusen. Und die wollten da helfen? Dieser rote Staub setzt sich einfach in allem fest, das hell ist. Naja, die mussten es selber wissen. Die Schüler überreichten Naomi Wäscheseifen, einen Bund Besen, Juice für die Kinder und einige A4-Blätter, die einer der Schüler selbst bemalt hatte und vor den Gefahren von Aids warnte.

Wirkliche Kunstwerke! Jedenfalls zogen sich die Schüler dann doch noch um und zogen sich praktischere T-Shirts an. Dann wurde die Umgebung vom Unrat gesäubert, die Wäsche gewaschen, neue Pflanzen eingesetzt, im Haus wurde gewischt und gefegt. Es kam mir vor wie eine Horde Heinzelmännchen, die das Kinderheim wieder in Schuss brachten. Nach getaner Arbeit kamen auch langsam die Heimkinder aus der Schule nach Hause und die Kinder aus dem College spielten mit ihnen, sangen und machten allerlei Blödsinn, so wie es ältere Geschwister mit ihren jüngeren Schwester und Brüder tun. Den Kindern gefiel diese Abwechslung offensichtlich und sie lachten und scherzten mit den Collegeschülern. Ich habe einige Fotos von diesem Ereignis gemacht, die Lehrerin oder diese Schule hat leider keine Mailadresse und so werde ich einige der Fotos ausdrucken und ihr per Post schicken. Übrigens sind diese Schüler im Health Club ihrer Schule organisiert, ist so wie ein Freifach bei uns. Andere Schüler machen Musik, drehen Filme usw.usw. Und diese Jungs und Mädels engagieren sich sozial. Ich ziehe meinen Hut vor diesen jungen Leuten!

Irgendwann kamen die Kinder reihum nach Hause, einige kamen gleich auf mich zu und wollten dies und das von mir. Priscilla wollte fotografiert werden, Cynthia auch, vor dem Haus mit ihren Pflanzen, die sie täglich giesst, sie scheint mir sowas wie die Gärtnerin vom Dienst zu sein. Die kleinen Jungs haben nur Unsinn im Kopf, prügeln sich auch mal wie europäische Jungs dies auch tun, aber da rennen nicht gleich die Erwachsenen, die Lehrer oder die Polizei, sondern sie regeln das untereinander. Lisa hat mir Buntstifte für die Kids mitgegeben, Papier werde ich noch besorgen. Vielleicht kann ich die Tage mit den Kindern zeichnen. Wäre doch schön, wenn wir den Patenfamilien auch ein Geschenk von ihren Patenkindern mitbringen könnten!

Jedenfalls habe ich unzählige Fotos geknipst, die Kinder lassen sich fast alle gerne ablichten und setzen sich auch gerne in Szene. Dabei möchte ich sie eigentlich lieber so fotografieren, damit sie es nicht merken. Witzig ist eine Fotoserie, die ich gemacht habe: Zuerst waren glaub ich nur drei Kinder auf dem Foto, beim nächsten vier, dann fünf... schlussendlich waren etwa 8 oder 9 Kinder mit drauf, da kam wirklich eins ums andere angerannt und gesellte sich dazu und zwar im Abstand, wie ich auf den Auslöser drückte. Da musste ich selber lachen! Und klar wollen sie dann "ihr" Foto sehen. Also scharen sich unzählige Kinder um einen und ich muss schauen, dass ich nicht von ihnen erdrückt werde. Berührungsängste kennen die wenigsten. Ich glaube, weisse Kinder hätten mehr Mühe, wenn plötzlich jemand mit dunkler Haut in ihrem Alltag auftaucht.

Kwaheri!

Sonja

Kommentare:

  1. hallo Sonja, lese jeden Tag Deinen Bericht hoffe es geht Dir gut es ist ein Erlebnis Deine Eindrücke zu lesen bin begeistert. Machs weiterhin gut und pass auf Dich auf. Liebe Grüsse aus Ebertswil

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  2. Hallo Ruth!

    Ja, mir gehts wunderbar, auch wenn einen die Lebensumstände der Waisenkinder und der armen Bevölkerung nachdenklich stimmen. Für uns sind gewisse Dinge schlichtweg unvorstellbar. Und doch strahlen die meisten Kenianer eine Lebensfreude aus, von der sich mancher Schweizer oder Europäer im allgemeinen noch eine grosse Scheibe abschneiden könnte!

    Es freut mich, dass dir meine Berichte gefallen und auch vom heutigen Tag gibts wieder viel zu berichten. Also dranbleiben!

    Herzliche Grüsse aus dem warmen Kenia... auch an Röbi!

    Sonja

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  3. Hallo Sonja

    Ich lese auch immer deinen Blog und finde ihn sehr toll zu lesen.
    Hoffe es geht dir gut und du kannst Naomi und Agnes einige´Arbeit abnehmen

    wir haben auch ein Patenkind und zwar Cynthia W. .
    da es 2 Cynthias gibt , nun meine Frage ist die leidenschaftliche Gärtnerin unser Patenkind??
    Weisst du ob sie unseren Brief mit Foto erhalten hat??

    Naja wenn sie es ist richtige ihr bitte ganz liebe grüße von uns aus
    grüße Steffi und Jan

    Hoffe ihr bekommt alles hin was ihr euch vorgenommen habt, während unseres Urlaub 2007 in Kenia haben wir festgestellt das alles etwas langsamer in kenia voran schreitet als bei uns :-)

    Pole pole

    Kwaheri
    Steffi

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  4. Hallo Steffi

    Schön, dass du den Blog auch verfolgst! Und nein, es ist die jüngere Cynthia, die sich um die Blumen kümmert.

    Ich werde mal nachfragen wegen dem Brief und richte gerne die Grüsse von euch aus! Über Fotos freuen sie sich immer besonders und ich denke, die Überraschung, die Lisa noch mitbringen wird, diese Blache mit allen Kindern und den jeweiligen Paten mit drauf, wird ihnen besonders gefallen!

    Stimmt, man muss sich manchmal gedulden, wenn man etwas möchte, aber schlussendlich sind die Leute dadurch auch viel weniger gestresst, das stresst dann nur die Mzungus! :-)

    Kwaheri!

    Sonja

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Asante sana für Euren netten Kommentare.

Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.