22. März 2011

Kenia - Tag 8 - Scoubidou!




Ich habe noch vier Webrahmen im Gepäck, aber keine Ahnung, wie die funktionieren, also habe ich mal einen bespannt und angefangen zu weben. Ich stelle mir vor, dass man damit kleine Täschchen fertigen könnte, Knöpfe habe ich auch noch im Gepäck, ich bin noch am Austüfteln, weil bloss ein Stück Stoff weben macht auch nicht wirklich Sinn. Ich bin mir aber nicht sicher, wem ich die Webrahmen schenken soll, vielleicht den vier ältesten Mädels? Aber dann haben die nicht so Spass an den Dingern und dann wärs auch blöd... Wolle habe ich jede Menge mit, da sollten sie schon eine Weile damit arbeiten können. Ich hoffe nur, dass die kleineren die dann nicht kaputtmachen, manchmal ist es so, dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes um was reissen und das dann kaputt geht.

Als ich gegen halb zwölf im Kinderheim ankam, waren alle Kinder dort, weil heute ein Lehrer-Meeting stattgefunden hat. Die meisten waren draussen am spielen, einige haben gekocht, gewaschen oder sich sonst irgendwie nützlich gemacht. Als es Zeit zum Essen war, hat mir eins der Kinder einen Teller mit Ugali und Indianerbohnen mit Sauce gebracht. War lecker - zwischendurch knirschte es zwar ein bisschen zwischen den Zähnen, wahrscheinlich war da noch ein bisschen Sand mitgekocht worden :-). Ich hatte schon angefangen zu essen - natürlich ohne Besteck mit den Fingern - als eins der gehörlosen Kinder mir deutete, dass ich noch die Hände waschen soll, sie stand mit einem Becher draussen bereit. Was für ein Vorbild ich war - ohne Hände zu waschen essen... tststs :-). Und auch Saft kriegte ich einen Riesenbecher, ich glaube, das ist ein Konzentrat, das mit Wasser angerührt wird - Wasser, dass ich nicht trinken sollte. Aber ich habs bereits am ersten Tag vertragen also denke ich, mein Magen macht das mit. Ansonsten kauf ich aber schon immer Wasser im Supermarket, wills ja mal nicht übertreiben. Übrigens hat mich jetzt schon der zweite Kenianer gefragt, weshalb wir Schweizer das Wasser kaufen würden, wenns doch Trinkwasserqualität aus dem Hahnen hat. Was soll ich sagen - ich konnte es denen nicht sagen, weil ich das auch nicht verstehe. Wahrscheinlich, weils wenns kostet, ist es besser? Keine Ahnung.

Eins der älteren Mädchen fragte nach meiner Fotokamera und so gabs ausschliesslich Fotos, die von den Mädchen geschossen wurden. Die meisten erstaunlich gut, dafür, dass sie zum ersten Mal mit so einem Apparat hantierten. Sie sind äusserst gelehrig und einmal zeigen reichte, damit sie wusste, wie es funktioniert. Ich stell heute ein Foto ein, wo ich selber mit drauf bin, obwohl es äusserst unvorteilhaft ist - ich sehe richtig krank aus, so bleich sehe ich neben den andern aus :-) :-).

Nachdem sie sich die Fotos auf dem Netbook angeschaut hatten, wollten sie natürlich auch wieder die Fotos von gestern, vorgestern, vorvorgestern... sehen. Sie haben eine Menge Spass, wenn sie sich auf diesen Bildern sehen. Danach habe ich wieder was aus meinem "Surprise-Bag" hervorgezaubert, diesmal hatte ich Scoubidous im Gepäck, nochmals herzlichen Dank an die Spenderin Jenny (könntest im Fall auch mal einen Kommentar hinterlassen! :-)) Für alle die, die nicht wissen, was Scoubidous sind: Plastikschnüre in den verschiedensten Farben, meist nimmt man zwei mit unterschiedlichen Farben und knüpft daraus Bändchen. Die Plastikschnüre kamen riesig an, obwohl es mich zu Anfang stresste, bis ich alle Schnüre zum Knüpfen vorbereitet hatte und denjenigen Kindern, die das noch nie gesehen hatten, eine Express-Einführung im Knüpfen gab. Es kamen richtig gute Sachen zustande, am besten gefallen hat mir ein Bändchen, das nicht wie die üblichen Scoubidous geknüpft wurde, sondern eher wie man es bei Lederbändchen sieht, aber auch nicht geflochten. Blöd, von den Scoubidous gibts jetzt gar keine Fotos, das ging irgendwie vergessen. He ja, aber glaubt mir, die Kids hatten Spass, etwas selber herzustellen. Ich denke deshalb, dass auch die Baumwolle ankommen wird und auch die Schnur, die ich noch dabeihabe. Damit lassen sich auch noch solche Sachen knüpfen oder mit den Fingern häkeln oder stricken.

Irgendwann am Nachmittag schaute Ingrid vorbei, wir haben kurz miteinander gesprochen, aber da Lisa gerne mit dabei sein möchte, haben wir das ganze auf übermorgen Donnerstag verschoben. Ingrid ist sehr freundlich und offen und hat anscheinend schon einiges bewegt, so stammen die Schränke, von denen es in jedem Zimmer einen hat, von ihr.

Ingrid verbringt bereits fünf Monate in Kenia, ist daran, Suaheli zu lernen und bleibt auch noch für längere Zeit. Sie arbeitet in einem Austauschprogramm, momentan verbringt also ein kenianischer Lehrer seine Zeit in Norwegen. Armer Mann, er wird wohl ziemlich am Schlottern sein! Sie unterrichtet die Schüler in einer Schule nahe des Kinderheims und hat deshalb irgendwie davon erfahren. Zudem arbeitet sie an einem Projekt, um die Menschen in Kenia - genauer hier in Voi - für das Abfallproblem zu sensibilisieren. Abfall - egal welcher Art - wird hier mangels anderer Möglichkeiten verbrannt. Es gibt keine Müllabfuhr und Abfall ist hier allgegenwärtig.

Als ich heute meine Sachen zusammenpackte, um wieder zu Killians Haus zu fahren, fragten mich mehrere Kinder, wann ich wiederkäme; das hat mich besonders gefreut. Ich komme auch jedes Mal dreckiger zurück, weil die Kinder mittlerweile auf mir herumturnen, bei und auf mir sitzen, meine Haare genaustens unter die Lupe nehmen und sich für jedes meiner Muttermale brennend interessieren :-).

Morgen werde ich nach Ikanga fahren, um beim Roden zu helfen, donnerstags werde ich wieder zu den Kindern fahren.

Lala salama!

Sonja

Kommentare:

  1. Das ist Afrika ... super toll die Erlebniss mit den Kidis ...
    Ich wünsche Dir weiterhin viel viel Freude und grüsse mir bitte ganz lieb Lisa.

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  2. Hallo Sonja,
    liebe Grüße unbekannterweise aus Österreich.
    Ich verfolge mit viel Freude Deine Einträge. Besonders über den Tag 3, habe ich mich gefreut.
    Wo Du so lieb vom Francis geschrieben hast, er ist mein Patenkind. Ich hätte ihm gern mal selbst kennengelernt, aber vielleicht ergibt es sich noch einmal. Habe aber null Ahnung von englich und das wird dann wohl ein Problem.
    Grüße ihm bitte ganz lieb und auch meine Tochter Lisa und meinen Sohn Stefan, sowie Claudi.
    Ich wünsche Euch noch schöne Tage und Erlebnisse. Ebenso einen guten Flug zurück.

    Liebe Grüße Helga

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  3. Hallo Mama Matunda!
    Hallo Mami von Lisa & Stefan!

    Es freut mich sehr, dass auch ihr meine Erlebnisse in Kenia verfolgt und fleissig mitlest. Die Grüsse werde ich gerne ausrichten, Lisa geht nur online, wenn sie im Büro vom Verein ist, bei der Lodge haben sie kein Internet und die drei werden eine Menge nachzulesen haben, wenn sie wieder Internetanschluss haben.

    Wegen Fransis (ich glaube, er schreibt sich mit zwei s und nicht mit c, ich hab das falsch geschrieben): er ist sehr vif und aufgeweckt, er war der erste, den ich kennenlernte, als er von der Schule kam. Er will auch immer etwas von mir, verstehe ihn aber nicht immer, also hilft mir da mein Englisch auch nicht weiter. Und doch finden wir dann meist eine Lösung, dann ist halt Zeichensprache oder auf die Dinge zeigen angesagt, also würdest auch du mit ihm kommunizieren können, die Kinder sind äusserst unkompliziert! Vielleicht findest du irgendwann eine Möglichkeit, mit Lisa und Stefan mitzureisen, ich denke, sie werden nicht das letzte Mal in Kenia gewesen sein :-).

    Herzliche Grüsse auch unbekannterweise von meiner Seite!

    Sonja

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  4. Hallo Mamilein!
    So, mal Zeit um nen Kommentar zu schreiben, da Junior gerade schläft...
    Es ist toll, deinen Aufenthalt in Kenia so mit zu lesen, wir (Sandi & Co.) haben viel Spass daran und sind fast ein wenig neidisch auf die Safari ;-)
    Ich hoffe du geniesst die letzten Tage auf dem afrikanischen Kontinent und kommst knackig braun und heil nach Hause zurück!

    Liebe Grüsse aus der mittlerweile auch etwas wärmeren CH...
    Jenny & Co.

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  5. liebe sonja,
    wir kennen uns nicht, aber euer projekt ist mir durch lisa schon länger bekannt.
    ich habe nach meiner rückkehr aus kenia alle deine berichte gelesen und ich möchte mich herzlich bedanken für die tollen, informativen beiträge. sie haben mich vorort sein lassen. dein schreibstil ist hervorrragend und man meint, man ist vorort.
    ich wünsche dir alles gute für deine rückkehr und wieder gutes eingewöhnen nach diesen aufregenden wochen. kenia und seine menschen sind eine eigene, wunderbare welt und auch ich bin der verfallen....
    asante sana für alles und liebe grüsse
    christa

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Asante sana für Euren netten Kommentare.

Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.