27. März 2011

Kenia - Tag 11 - Tag der Tränen und der Freude



Guten Morgen allerseits!

Gestern war ein äusserst emotionaler Tag, der eine ganze Palette von Gefühlen brachte. Aber schön der Reihe nach...

Margit, Lisa, Stefan und Claudia hatten verschiedenste Orangen- und Zitrusbäumchen in der Gärtnerei geholt, die auf dem Grundstück in Ikanga eingepflanzt werden sollen, damit diese dann in einigen Jahre reiche Ernte bringen. Jedenfalls kostete so eine Pflanze, etwa einen halben Meter hoch, 100 KSH, Wahnsinn, nicht? Bei uns bezahlt man ein Vielfaches davon!

Auch waren sie im Supermarkt und hatten richtiges Katzendosenfutter für das Kätzchen im Kinderheim gekauft. Der Plan war zudem, dass Margit das Kätzchen gleich an diesem Tag oder spätestens Morgen mitnehmen, zum Tierarzt bringen, entwurmen und impfen lassen sollte und das das Kätzchen danach zu einer Angestellten gebracht würde, die selber bereits eine Katze hatte, die auch drinnen sein durfte und sagen wir mal in "europäischen Verhältnissen" lebte. Im Kinderheim war einfach nicht sichergestellt, dass die Katze ihr benötigtes Fleisch kriegte und dass auch alle Kinder sorgsam mit ihr umgehen. Bei über 30 Kindern ist dies schon wichtig, dass die Tiere nicht geplagt werden.

Es ging also auf ins Kinderheim, wir wollten erst mal ein bisschen mit den Kindern spielen, um die Geschenke noch vor dem Mittag zu verteilen, war die Zeit zu kurz und sowieso waren die älteren Kinder, die samstags Schule haben, auch erst um halb eins zurück. Beim Waisenhaus angekommen, sah es Lisa wohl als erste, dann erblickte ich es auch: Das Kätzchen lag tot auf dem Betonsockel des Wassertanks. Es war wohl doch zu schwach gewesen, um wieder zu Kräften zu kommen und Agnes fand es am Morgen tot auf der Treppe beim Eingang. Armes Kätzchen! Dabei wäre doch nun alles geregelt gewesen und Margit hätte ein schönes Plätzchen gehabt :-(. So blieb uns nichts anderes übrig, als dem Kätzchen seinen letzten Platz zu geben. Lisa trug das Kätzchen - es hätte übrigens March - March 2011 - heissen sollen, bisher hatte es noch gar keinen Namen, nur "cat" - eingewickelt in ein Stück Stoff hinters Haus, ich holte eine Schaufel und Stefan hob dann ein tiefes Loch aus. Ein paar der Kinder kamen hinzu und Samson legte March in ihr Grab. Er war übrigens einer, der die Katze auch gerne mal auf seinem Schoss hatte und streichelte und ich glaube, ihn machte der Tod der Katze wie uns auch betroffen. Die kleineren Kinder haben das wohl noch nicht so recht begriffen, was "tot sein" wirklich bedeutet. Stefan schaufelte die Erde zurück und wir bedeckten das Grab dann mit Steinen. Das war also der Moment, an dem an diesem Tag die Tränen flossen.

Aber wir konnten jetzt nicht Trübsal blasen, das wäre nicht fair gegenüber den Kindern gewesen. So beschäftigten wir uns mit ihnen, Margit sagte wahrscheinlich hunderte Male den gleichen Spruch fürs Seilspringen auf (Teddybär, Teddybär, dreh dich um, Teddybär, Teddybär, mach dich krumm, Teddybär, Teddybär, bau ein Haus, Teddybär, Teddybär, spring heraus!) und die Kinder versuchten, die Figuren zu springen. Sie und ich drehten derweil unermüdlich das grosse Springseil und genauso unermüdlich sprangen die Kinder, bis sie alles konnten. Lisa schaute derweil auf ihrem ipad Bilder an respektive zeigte diese den Kindern, die voller Begeisterung die Diashow verfolgten. Wie bereits bei mir immer wurde nun auch Lisa von vielen Kindern umringt und man sah sie kaum mehr auf ihrem Stuhl zwischen all den Kids. Ich glaube, wahrscheinlich kriegte sie kaum mehr Luft dazwischen... :-). Claudia knipste fleissig Fotos und Stefan war genauso fleissig am Filmen und die Filmchen musste er dann wiederum den Kids zeigen, was auch ihm viele Kinder um ihn herum bescherte. Dies war einer der Momente an diesem Tag, an dem Freude herrschte.

Die drei Männer hatten sich ein Tuk-Tuk bestellt und kamen auch ins Heim um die "Bescherung" für die Kinder mitzuerleben. Wir schickten alle Kinder nach draussen und bereiteten drinnen die Überraschungen vor. Als erstes wurde die Blache im grossen Aufenthaltsraum aufgehängt, auf dem alle Kinder mit ihren Paten in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich zu sehen sind. So weiss nun ein jedes, wie seine Patenfamilie oder -tante oder -onkel ausschaut. Dann wurde die Patengeschenke aufgestellt und für diejenigen Kinder, die nicht direkt von ihren Paten bedacht wurden, legten wir aus unseren Mitbringseln etwas bereit. Derweil unterhielten Killian und Agnes draussen die Kinder, damit sie nicht frühzeitig reinkommen würden. Agnes spielte ein Spiel mit den Kleinen, bei dem gesungen wurde: Wer Freude hat am tanzen, der soll in den Kreis kommen und tanzen. Makau (Name beliebig vertauschbar) soll reinkommen und tanzen. Und dann führten sie so einen witzigen Mini-Tanz auf, der schlichtweg goldig zum Ausschauen war. Und Killian spielte ein Spiel mit den Kindern, bei dem sie immer hüpfen sollten, wenn er ein Essen oder ein Tier nannte, das von uns gegessen wird. Und dann zeigte er auch abwechselnd auf Leute, deren Namen sie dann sagen sollten. Das würde oft gespielt, um das Namensgedächtnis zu trainieren. Echt witzig, wie sie bei manchen länger und bei andern kürzer überlegen mussten! Dann durften die Kinder endlich rein und sahen die vielen Geschenke auf dem Tisch. Es wurde eine kurze Ansprache gehalten und dann kriegte jedes Kind reihum sein Geschenk und ihm wurde gleichzeitig auch gezeigt, wo es und seine Gönner auf der Blache/Plane zu finden sind. Als sie ihre Geschenke erhalten hatten, verzogen sie sich jedes für sich an ein ruhiges Plätzchen und packten ihr Päckli aus. Da kamen viele brauchbare Dinge zum Vorschein und einiges zum Spielen und auch Süssigkeiten waren dabei. Das war auch eine der Momente der Freude an diesem Tag und dies sicher nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns, diese strahlenden Kinderaugen zu sehen, wie sie ihre Schätze auspacken - einfach unbezahlbar.



Ja, dann wars schon nach halb sechs, das Legoauto fertig gebaut, die Mädels instruiert, wie sie mit dem Weben weitermachen können und ich musste schleunigst nach Hause, es würde schon bald dunkel werden.

Am Abend besprachen Killian und ich noch den Tag und wir kamen zum Schluss, dass alle Beteiligten zufrieden sein können, dass alle ihren Spass an der Sache hatten und wir sicherlich jedem Kind ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnten und sie uns umgekehrt den gleichen Gefallen getan hatten. Wie schön ist es doch, andern eine Freude bereiten zu können!

Ich wünsche allen einen wunderschönen Sonntag!

Sonja

Kommentare:

  1. Liebe Sonja,
    super, super Dein Bericht bzw. Deine Berichte. Wenn ich ehrlich sein soll, ich hatte so manchen abend Tränen in den Augen, beim Lesen.
    Ich wäre sehr gern dabei gewesen.
    Was ich allerdingst nicht ganz verstehe, warum Ihr mit den Geschenken bis zuletzt gewartet habt. Ihr hättet doch auch mehr Freude gehabt, wenn Ihr mit den Kindern mehr Zeit für die Geschenke gehabt hättet.
    Ich hoffe Ihr hattet noch einen schönen Sonntag und wünsche Euch morgen einen guten Flug zurück.
    Liebe Grüße an Dich, Lisa, Stefan und Claudi

    Helga aus Österreich

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  2. Jambo Helga

    Du hast zwei tolle Kinder die es dir doch irgendwie ermöglichen sollen, das nächste Mal mitzukommen. Du lebst so sehr mit - so scheint es mir - dass du auch eine Bereicherung für die Kinder im Heim wärst, auch wenn du nicht englisch kannst, irgendwie verständigt man sich immer mit den Kids.

    Warum wir die Geschenke erst gestern gegeben haben, kann ich dir sagen: Für die anderen vier war vorher soviel an organisatorischen Dingen zu erledigen, angefangen vom Ugali-Projekt, zum Roden in Ikanga, zum Zaunbau usw.usw. Zudem wohnen sie doch eine Stunde vom Waisenhaus entfernt und die An- und Rückfahrt nimmt jede Menge Zeit in Anspruch. Ich war als einzige praktisch jeden Tag im Heim, aber wir wollten die Geschenke gemeinsam übergeben und deshalb war dies erst gestern. Früher wäre es gar nicht möglich gewesen. Und der gestrige Tag war wohl der, an dem wir am meisten Zeit alle zusammen im Heim verbracht haben.

    Wir werden morgen Montag nun zur Lodge fahren, der Rückflug wird aber erst Dienstag sein, mein Internet wird jedoch morgen früh gekappt, weil ich Killian mein Modem dalassen werde.

    Herzliche Grüsse

    Sonja

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  3. Es macht so viel Freude mitzulesen, mitzusehen .....
    Vielen lieben Dank für die Post sagt Dani.

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Asante sana für Euren netten Kommentare.

Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.